Diesmal habe ich ein sehr spannendes Thema für Sie vorbereitet:

Audio in Enhanced E-Books. Aufgrund der Vielschichtigkeit dieser Thematik wird dies in drei aufeinander folgenden Beiträgen behandelt, deren Schwerpunkte nachfolgend aufgeführt sind.

  • Teil I: Read-Along. Organisatorische und technische Umsetzungsmöglichkeiten
  • Teil II: Sound-Effekte. Potential, Umsetzbarkeit und Möglichkeiten der Anreicherung
  • Teil III: Musik. Do’s und Dont’s bei der Musikauswahl und deren Einbindung sowie interessante Entwicklungen der letzten Jahre

Über die Read-Along-Funktion

Die Read-Along-Funktion stellt eine der verbreitetsten Möglichkeiten der Anreicherung digitaler Buchprodukte dar. Für alle, die mit dem Begriff nichts anzufangen wissen: Hierbei handelt es sich um eine Vorlesefunktion, oft auf Basis eines bereits bestehenden Hörbuchs, bei dem der Text angezeigt wird und der Leser sprichwörtlich mitlesen kann.

Je nach Komplexität der Umsetzung kann zusätzlich der vorgelesene Absatz, die vorgelesene Textzeile, aber auch jedes einzelne vorgelesene Wort farblich oder anderweitig hervorgehoben sein. Dies stellt insbesondere für Erstleser und Leser mit Migrationshintergrund eine große Erleichterung dar. So können neue Wörter optisch und akustisch verknüpft und somit leichter eingeprägt werden.

Nicht zuletzt deshalb sollten angereicherte E-Books und Apps im Kinder-und Jugendbuchbereich auf Dauer Bestandteil der Programmzusammenstellung werden. Zudem sind Kinderbücher aufgrund ihres oft geringeren Text-Umfangs in der Produktion relativ günstig.

Der Vorteil gegenüber der Einbindung von Videodateien liegt klar in der vergleichsweise geringen Größe von Audiodateien. Auf der anderen Seite ist die Erstellung des zugrundeliegenden Hörbuchs unter Umständen teuer, sofern man einen professionellen Sprecher engagieren muss und nicht bereits eine Hörbuchversion vorliegt. In der Regel müssen für das Neueinsprechen einige Tage Aufnahmezeit einberechnet werden, was gut und gerne einige Tausend Euro kosten kann. Hier als Beispiel die Gagenliste des Verbands Deutscher Sprecher.

Inhouse, Kooperation oder Outsourcing

Grundsätzlich bestehen für Verlage drei Möglichkeiten, ein E-Book mit Read-Along-Funktion zu erstellen: Sie können dies im eigenen Haus tun, mit anderen Dienstleistern bzw. Verlagen zusammenarbeiten oder alles komplett auslagern. Welche dieser drei Möglichkeiten letztendlich Verwendung findet, hängt insbesondere von der Größe und finanziellen Ausstattung eines Verlages ab.

Outsourcing

Während große Verlage mit ausreichend finanziellen Mitteln die Herstellung oder Anreicherung ohne weiteres an Softwareentwickler und spezialisierte Dienstleister auslagern können, ist dies oft für kleinere Verlage nicht so einfach möglich. Zudem steigern zusätzliche Produktionskosten das finanzielle Risiko des Enhanced E-Books, was gerade für Verlage abschreckend wirkt, die zunächst in Pilotprojekten die Resonanz beim Leser testen möchten.

Kooperation

Kooperationen mit anderen Verlagen stellen hier eine günstigere Art der Contenterstellung dar, da sich die beteiligten Verlage die Kosten für die Programmierarbeiten teilen können. Ziel der Zusammenarbeit ist in der Regel die Erstellung eines Software-Grundgerüstes, auch Framework genannt, welches von den beteiligten Verlagen mit einfachen Mitteln individuell angepasst werden kann. Darüber hinaus profitieren alle Beteiligten vom Know-How des jeweils anderen, was eine steilere Lernkurve ermöglicht.

Voraussetzung für eine gelingende Zusammenarbeit ist ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Kooperationspartnern, was bedeutet, dass unter Umständen Workflows und Betriebsinterna offengelegt werden müssen. Dies schreckt viele Verleger ab, die befürchten, Wettbewerbsvorteile zu verlieren, obgleich diese Befürchtungen oft unbegründet sind.

InHouse-Umsetzung

Die Read-Along-Funktion im eigenen Verlag in das E-Book einzubinden ist für viele mittelständische Verleger aufgrund des nötigen Know-Hows undenkbar und wird nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen vorschnell verworfen. Dabei ist die Umsetzung dank HTML5 gar nicht so schwierig und nicht zwingend mit horrenden Kosten oder gar mit der Einrichtung einer eigenen Entwicklungsabteilung verbunden – sofern bereits E-Books im Haus erstellt werden und ausreichend HTML-Kenntnisse vorhanden sind. Nachfolgend die erforderlichen Schritte zur Umsetzung:

Leitfaden für die Umsetzung der Read-Along-Funktion mit HTML5

Schritt 1: Vorbereitung der Audiodatei

Bevor mit der eigentlichen Einbindung begonnen werden kann, müssen die Audiodateien für die entsprechende Art der Einbindung vorbereit werden.

Zunächst aber müssen Sie sich entscheiden, wie viel des angezeigten Textes abgespielt werden soll. Soll ein längerer zusammenhängender Text vorgelesen werden, beispielsweise die komplette Seite eines Kinderbuchs mit relativ großem Font? Oder sollen es kleinere Textabschnitte sein: Paragraphen, einzelne Sätze oder sogar einzelne Wörter?
Der Einfachheit halber gehe ich im Folgenden einmal von Paragraphen aus.

Ist bereits ein Hörbuch bzw. eine Audiodatei vorhanden, muss diese unter Umständen nachbearbeitet werden, falls der zugrundeliegende Text im Ganzen oder kapitelweise eingelesen bzw. im Nachgang zusammengefügt wurde. Hierzu kann ein kostenloses Tool wie Audacity verwendet werden, um die Tonspur an den Stellen zu teilen, an denen ein Paragraph endet und der nächste beginnt. Die so entstandenen kleineren Abschnitte sollten unbedingt eindeutig und am Besten nummeriert abgespeichert werden, um eine bessere Zuordnung bei der späteren Einbindung zu ermöglichen.

Sollte es noch keine Hörbuchgrundlage geben, macht es Sinn, die Texte gleich in der entsprechenden Länge, in unserem Fall also paragraphenweise einsprechen und sich gegebenenfalls dann eine seperate, zusammengeführte Datei zuschicken zu lassen, sollte für die Zukunft ein Hörbuch geplant sein.

Schritt 2: Einbinden der Audiodatei mithilfe von HTML

Nachdem wir nun die gekürzten Audiodateien vorliegen haben, können diese an der entsprechenden Stelle im HTML-Code des E-Books eingebunden werden. Eine einfache Einbindung wäre das Verlinken des Textes mit der Audiodatei, die durch ein Tippen auf den entsprechenden Textteil abgespielt werden kann. Auch eine farbliche Hervorhebung des angetippten Textes ist mit relativ einfachen Mitteln zu erreichen.

Aufwendiger wird das Ganze, wenn das jeweils vorgelesene Wort hervorgehoben werden soll. Zwar ist auch das mit HTML5 möglich, erfordert aber eine etwas andere Herangehensweise.  An späterer Stelle wird hier ein Tutorial folgen, in dem die Einzelnen Schritte in der Praxis erklärt werden.

Schritt 3: Kontrolle der Abspielbarkeit auf den Endgeräten

Ein letzter Schritt, der bei allen Anreicherungen nicht fehlen sollte, ist das gründliche Testen der Funktionsfähigkeit auf möglichst vielen Abspielgeräten. Da die meisten E-Reader (noch) über keinen Audioausgang verfügen, werden E-Books mit Read-Along-Funktion wohl in nächster Zeit hauptsächlich auf Tablets und Smartphones Verwendung finden.

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Meine heutige Frage an Sie:

Ist die Einbindung eines Hörbuchs ausreichend für die Bezeichnung “Enhanced E-Book”? Ich freue mich über Ihre Kommentare!