Unsicherheiten abbauen – Teil 3: Qualitätssiegel

Ein großes Problem bei digitalen Buchproduken ist, dass man die Qualität vor dem Kauf nicht erkennen kann. Ich hatte in den vorangegangenen Beiträgen ja schon zwei Möglichkeiten vorgestellt, wie man Unsicherheiten reduziert: Detaillierte Produktbeschreibungen und die Produktpräsentation auf Buchmessen. Nun möchte ich ein weiteres, vielversprechendes Instrument vorstellen, das den besten Verlagsprodukten zum Erfolg verhilft und dem Leser die Möglichkeit verschafft, die Qualität eines Buchproduktes auf einen Blick  einzuschätzen: Qualitätssiegel.

Inbesondere die Verlage, die auf qualitativ hochwertige Produkte setzen, haben heutzutage Schwierigkeiten, Kunden zu finden, die ihre Enhanced E-Books und Apps wertschätzen und gewillt sind, die höheren Produktionskosten mit einem entsprechenden Preis zu bezahlen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass der Markt dank der Verbreitung von Apps mit interaktiven Elementen überflutet wird, die oft nicht das halten, was sie versprechen.

Insbesondere im Spielebereich tummeln sich Entwickler, die auf die positiven Erfahrungen der Kunden weniger Wert legen, als auf den schnellen Profit oder die möglichst umfassende Sammlung von Daten. Pädagogische Aspekte spielen nur in seltenen Fälle eine Rolle. Meist geht es nur um kurzweilige Zerstreuung.

Kein Wunder, dass Leser, besonders aber Eltern digitalen Anwendungen im Allgemeinen eher skeptisch gegenüberstehen.

Qualitätssiegel bieten das Potential, die Verbreitung qualitativ hochwertiger und innovativer Buchprodukte zu fördern

In der Betriebswirtschaft gibt es ein Modell, das auf den Markt von Apps und Enhanced E-Books angewendet werden kann. Der “Market for Lemons“. Das Modell stammt ursprünglich aus dem Gebrauchtwagenmarkt und zeigt die negativen Entwicklungen auf Märkten, die einer hohen qualitativen Unsicherheit ausgesetzt sind.

Kern des Modells ist die Annahme, dass es Verkäufer gibt, die die Qualität ihrer Produkte kennen, während die Käufer über den qualitativen Zustand der Produkte im Unklaren sind und auch nicht die Kenntnisse haben, diesen einzuschätzen. Dies nennt man assymetrische Informationen. Angenommen, es werden ursprünglich die selbe Anzahl an qualitativ guten wie auch schlechten Fahrzeugen zum selben Preis angeboten :

Das Modell besagt, dass im Laufe der Zeit die Preise für alle Gebrauchtwägen fallen, da die Kunden aufgrund der Möglichkeit, ein schlechtes Fahrzeug zu kaufen, nicht gewillt sind, den vollen Preis zu bezahlen. Darauf ziehen sich die Verkäufer der gut erhaltenen Fahrzeuge aus dem Markt zurück, weil sie zu den gesunkenen Preisen nicht verkaufen wollen. Was bleibt, ist ein Markt voller qualitativ schlechter und billiger Gebrauchtwagen (engl. Lemons). Wenn die Kunden diese Qualität nicht akzeptieren, bricht der Markt zusammen.

Das unabhängige Qualitätssiegel als Hilfsmittel zur besseren Verbreitung von Enhanced E-Books und Apps

Diese Entwicklung kann allerdings durch Qualitätssiegel verhindert werden. Deshalb gibt es auf dem Fahrzeugmarkt auch unabhänge Zertifikate wie die TÜV-Plakette, die einen qualitativen Mindeststandard für alle Fahrzeuge gewährleisten. Somit können assymetrische Informationen beseitigt werden.

Wie sieht die Lage bei digitalen Buchprodukten, Enhanced E-books und Apps aus? Hier gibt es gelegentliche Innovationspreise, einige Internetplattformen, die Testberichte anbieten und natürlich die Kundenbewertungen auf den Vertriebsplattformen. So schlimm wie im Modell sieht es also nicht aus. Trotzdem fehlt es an seriösen und unabhängigen Qualitätssiegeln, die auch eine enstprechende Marktgröße haben, um als verlässliche Quelle zur Qualitätsbestimmung herangezogen werden zu können.

Hinzu kommt, dass Verlage diese Möglichkeit nicht oder nur unzureichend nutzen. Viele mögen die Kosten scheuen, aber ich vermute, dass Verlage in erster Linie Angst vor schlechten Wertungen haben, was völlig ungerechtfertigt ist.

Drei Gründe, warum Verlage Qualitätssiegel  nutzen sollten

Qualitätssiegel schaffen Vertrauen.

Kunden sehen auf einen Blick, ob ein Produkt qualitativ hochwertig ist. Ein unabhängiges Qualitätssiegel kann hier insbesondere auf dem Cover oder in der Produktbeschreibung als verkaufsfördernde Maßnahme eingebunden werden und schafft Vertrauen. Dies kann auch rückwirkend postitive Effekte auf das gesamte Verlagsangebot und die Marke haben.

Qualitätssiegel bieten Zusatzinformation

Je nach Schwerpunktsetzung der Organisationen hinter den Siegeln kann ein entsprechendes Prädikat (z.B. “pädagogisch wertvoll”) für bestimmte Nutzergruppen zusätzliche Informationen bieten, was zum einen ein Kriterium zur Abgrenzung von Konkurrenzprodukten darstellt, zum anderen aber auch Kaufanreize schafft.

Qualitätssiegel erhöhen die Preistoleranz

Wird die Qualität eines Enhanced E-Books durch ein Qualitätssiegel bestätigt, sind Käufer eher dazu bereit, einen höheren Preis für die zugesicherten Mehrwerte zu bezahlen. Dies ist im E-Book- und App-Markt besonders wichtig, da hier die Preistoleranz durch Fehlentwicklungen der letzten Jahre stetig gesunken ist.

 

Was ist Ihre Meinung zu Qualitätssiegeln für digitale Buchprodukte?
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