Das größte Hemmnis für die Durchsetzung des Enhanced E-Books ist das Problem der technischen Umsetzung und Abspielbarkeit auf den Lesegeräten. Verlage und Leser haben dabei gleichermaßen mit der undurchsichtigen Marktlage wie auch mit den unterschiedlichen Dateiformaten und Lesegeräten zu kämpfen. In diesem Blogeintrag möchte ich Ihnen die gängigen Dateiformate Epub, Mobi und AZW/KF8 vorstellen und deren Tauglichkeit für Anreicherungen auf den diversen Endgeräten beleuchten.

Die Dateiformate

EPub – Der Allrounder

Das EPub Format ist der offizielle und von der Buchbranche bevorzugte Standard für die Darstellung von Dokumenten auf  mobilen Endgeräten. Es wurde 2007 vom International Digital Publishing Forum (IDPF) entwickelt und bietet die Möglichkeit der angepassten Darstellung des Textes, also den auf die jeweilige Bildschirmgröße und Schriftgröße angepassten Umbruch des Textes.

Im Grunde genommen ist eine EPub-Datei ein Zip-Archiv, in dem die verschiedenen Elemente einer Buchpublikation in ihren Einzelteilen vorliegen und je nach Bedarf den Anforderungen des Lesers und des Lesegeräts zusammengesetzt werden können. Wie bei einer Webseite gibt es einen HTML-Bestandteil, der die Struktur und den Inhalt des E-Books bestimmt, und einen CSS-Bestandteil, der Design, Schrift und Formatierungen darstellt. Man könnte sagen, das EPub-Format verbindet die Vorteile von PDF und Webseite und negiert dessen Nachteile.

Die neuste Version des EPub-Formats (EPub3) ist nun auch kompatibel mit HTML5, was (wie bei einer vollwertigen Website) die Einbindung von Video, Audio und Interaktivität und somit auch die Umsetzung angereicherter Buchprojekte ermöglicht. Auch ist das EPub-Format von Grund auf zu Media-Overlays fähig, also einer klar definierten Synchronisation von Text- und Audiobestandteilen, was die Umsetzung von E-Books mit Vorlesefunktion erleichtert.

Mobi, AZW und KF8 – Das Gefängnis

Obwohl das EPub-Format durch seine Architektur und die standardmäßige Einbindung von Alternativlösungen bei Kompatibilitätsproblemen (sog. Fallbacks) als Standard für digitale und auch angereicherte Buchprodukte prädestiniert ist, gibt es noch weitere Formate, die den Markt wesentlich bestimmen. Das sind zuvorderst die für Amazons eigene Endgeräte (Kindle E-Reader und Tablets) entwickelten Formate AZW und KF8.

Hierbei handelt es sich um geschlossene Formate, die ausschließlich auf Kindlegeräten oder mit der Amazon-eigenen Abspielsoftware wiedergegeben werden können. Auch ist es auf den Kindlegeräten nicht ohne weiteres möglich, Dateien im EPub-Format abzuspielen, um Amazonkunden an das eigene Vertriebssystem zu binden.

Das AZW Format basiert wesentlich auf dem Mobi-Format der Amazontochter Mobipocket, welches auf xHtml und Javascript aufbaut. Allerdings fehlte dem AZW-Format die Unterstützung von Javascript, was die Einbindung multimedialer Inhalte für lange Zeit unmöglich machte. Erst mit der Einführung des Kindle Fire Ende 2011 veröffentlichte Amazon das Format KF8 (auch als AZW3 bezeichnet), das auf Basis von HTML5 und CSS3 die Einbindung von Multimediadateien ermöglicht und zu einem gewissen Grad auch rückwärtskompatibel ist.

Einen guten Überblick über die wesentlichen Merkmale dieser und auch anderer Dateiformate gibt es hier.

DRM und Formate

Ein ganz eigenes Thema stellen die DRM-Systeme dar. DRM steht für Digital Rights Management. Hierbei handelt es sich meist um eine Software, die das hiermit ausgestattete E-Book mit einem bestimmten Benutzerkonto verknüpft, was die Weitergabe von E-Book-Dateien verhindert bzw. erschwert. Dies kann ebenfalls dazu genutzt werden, ein geschlossenes System zu erzeugen, wenn die Software nur bestimmte Dateiformate akzeptiert. Im Falle des EPub-Formats ist das vorwiegend genutzte DRM-System Adobe Digital Editions (oder ADE).

Endgeräte und Kompatibilität für Anreicherungen

Nicht zuletzt aufgrund der beschleunigten technischen Entwicklung sind heute Dinge möglich, die noch vor einigen Jahren nicht denkbar gewesen waren. Ähnlich sieht es auch bei den Lesegeräten aus.

Doch ist die Technik vieler Endgeräte noch immer nicht im Stande, alle Möglichkeiten angereicherter E-Books zu nutzen. Am problematischsten sieht es hier bei den E-Readern aus, die aufgrund ihrer E-Ink-Displays große Probleme mit der Darstellung bewegter Bilder haben. Auch fehlt immer noch eine ausreichende technische Unterstützung von Javascript, was für einen Großteil der Multimediaanreicherungen notwendig ist. Sogar auf einen Audioausgang wird bei neuen E-Readern mittlerweile verzichtet (selbst bei den Premium Readern wie dem Kobo H20 und Kindle Voyage), ein Feature, auf das meiner Ansicht nach bei keinem mobilen Gerät verzichtet werden sollte.

Dies stellt für die Entwicklung von Enhanced E-Books eine große Herausforderung dar, wenn man gewährleisten will, dass ein derartiges E-Book tatsächlich auf allen Geräten abgespielt werden kann. So müssen für alle Anreicherungen Fallbacks eingerichtet werden, was sicherlich möglich ist, die Möglichkeiten eines interaktiven Ansatzes des Storytellings aber von Grund auf beschneidet (so dürfen gewisse Interaktionen nicht mehr den Handlungsverlauf bestimmen, wenn sie nicht auf einem E-Reader durchgeführt werden können).

Smartphones und Tablets sind hingegen aufgrund ihrer auf Multifunktionalität ausgelegten Hardware für Anreicherungen in der Regel bestens geeignet. Hier ist es die Abspielsoftware, die den Möglichkeiten der Anreicherung Grenzen setzt.

Das IDPF bietet auf Epubtest.org ein Test-Tool an, mit dessen Hilfe man die Unterstützung der Features von Epub3 für Endgeräte, Apps und andere Abspielsoftware evaluieren kann. Wer einen Blick in die verlinkte Tabelle wirft, dem wird schnell auffallen, dass selbst aktuellste Lese-Software nicht alle notwendigen Features des EPub3-Formats unterstützt (Google Playbooks 3.4.9 – 73,9%; iBooks 3.2 – 67,3%, Kindle Fire HD – 47,3%). Einzig überzeugen kann Adobe Digital Editions (90,9% in Version 4.03) und der Bureau van Dijk Reader  (88,5% in Version 8.5), und nicht einmal hier ist eine uneingeschränkte Verwendbarkeit gewährleistet.

Es wird abzuwarten bleiben, ob in den nächsten Jahren endlich die technischen Voraussetzungen geschaffen werden können, um multimediale Anreicherungen über alle Endgeräte hinweg kostengünstig und zum Vorteil der Leser umsetzen zu können. Denn nur so kann das Enhanced E-Book langfristig Erfolg haben.

Meine heutige Frage an Sie:
Welches Endgerät ist die Zukunft des Digitalen Lesens? E-Reader, Tablets oder Smartphones?