Videos haben sich in den letzten Jahren zum dominanten Unterhaltungsmedium entwickelt (manche mögen behaupten, das waren sie schon immer). Neben dem Fernsehen, womit die Deutschen im Durchschnitt 220 Minuten am Tag verbringen, nimmt das Konsumieren von Videoinhalten im Internet auf Videoportalen wie YouTube einen immer größeren Stellenwert ein.

Filmsequenzen, Einspieler und animierte Videos sind mit die technisch am leichtesten umzusetzende Anreicherungsmöglichkeiten für Enhanced E-Books und Buchapps. Oft sind die Endgeräte bereits mit entsprechender Abspielsoftware ausgestattet und die Einbindung von Videomaterial ist mit ein paar Standardzeilen in HTML erledigt. Das Gerät stellt dann eine dem Nutzer bekannte und funktionale Abspieloberfläche zur Verfügung, die sich zusätzlich den Gegebenheiten des E-Books anpassen lässt.

Doch nicht nur deshalb eignen sich Videos so gut als Anreicherung für multimediale E-Books. Die Kombination optischer und akustischer Reize bietet fernab lustiger Katzenvideos Potential sowohl für die Wissensvermittlung als auch für die Auseinandersetzung mit Inhalten  durch den Rezipienten. Auch werden Videoinhalte gerade von Kindern begeistert entgegengenommen, während ihre Ansprüche an die (technische) Qualität in der Regel niedrig sind.

Auch liefern Videoinhalte ein klar zu vermittelndes Kaufargument, da der wahrgenommene Wert hier als hoch wahrgenommen wird.

Allerdings müssen einige wichtige Regeln bei der Videoeinbindung beachtet werden. Im Folgenden sind einige Fehler aufgeführt, die Sie vermeiden sollten:

Fortschicken der Leser

Gerade bei der Einbindung externer Videos (beispielsweise über das Internet) muss darauf geachtet werden, dass die Inhalte innerhalb des E-Books oder der App wiedergegeben werden können. Wird hierzu ein externer Player oder eine Internetseite geöffnet, stellt dies nicht nur einen Bruch in der Leseerfahrung dar.  Es besteht darüber hinaus die Gefahr, den Leser zu verlieren, wenn dieser auf der externen Seite weitere Videos und Inhalte vorfindet, die vom E-Book wegführen.

Dopplung von Inhalten

Zugegeben, es ist naheliegend und durchaus verlockend, das bereits bestehende YouTube Video mit dem Interview des Buchautors für die Anreicherung des dazugehörigen E-Books zu verwenden. Das Material ist ja schon vorhanden und kann entsprechend auch in der Werbung verwendet werden, was in doppelter Hinsicht Kosten spart. Gleiches gilt für Filmausschnitte von Buchverfilmungen und Videomaterial, das auf der eigenen Homepage zugänglich ist. Jedoch kann ich ein derartiges Vorgehen nicht empfehlen.

Im Zusammenhang mit Enhanced E-Books wird als wichtigstes Kaufkriterium in der Regel der Mehrwert angeführt. Doch wo liegt der Mehrwert eines E-Books, dessen Videoinhalte genauso gut kostenlos irgendwo anders aufgerufen und konsumiert werden können? Eine reine Dopplung von anderorts frei zugänglichen Inhalten mindert den wahrgenommenen Wert eines derart angereicherten E-Books. Inhalte sollten daher exklusiv für das Enhanced E-Book erstellt und zur Verfügung gestellt werden. Zumindest dann, wenn man beabsichtigt, am Ende auch einen höheren Preis zu verlangen.

Stilbruch

Bei der Gestaltung eines Enhanced E-Books ist es wie bei einem Printbuch wichtig, eine kohärente Welt zu schaffen, um das Leseerlebnis möglichst harmonisch zu gestalten. Dies bedeutet aber auch, dass sich Videoinhalte dieser Welt anpassen müssen. Handelt es sich beispielsweise um die Umsetzung eines mit Comics illustrierten Kinderbuches, dann sollten Videos zur Kapiteleinführung keine realen Filme sein, sondern (im Idealfall) vom selben Zeichner der restlichen Illustrationen angefertigt werden und den Stil des Buches aufgreifen. Ob dies dann komplett animiert oder in Form einer Slideshow erfolgt, ist nachrangig.

Variieren die Stile zu stark, kann dies zu einer Störung des Leseerlebnisses führen, was sich negativ auf die Immersionsfähigkeit und die Aufmerksamkeit des Lesers auswirkt. Insofern macht es Sinn, eine eventuelle Anreicherung frühzeitig mit dem Illustrator abzuklären und die Möglichkeiten einer Videoumsetzung auch vertraglich zu berücksichtigen.

Schlechte Qualität

Ich hatte eingangs die Toleranz von Kindern gegenüber technisch minderwertigen Videos angesprochen. Und in der Tat haben Kinder in der Regel keine Probleme, sich an Videoinhalten zu erfreuen, deren Animationsqualität einem Erwachsenen Tränen in die Augen treibt. Ich kann immer wieder beobachten, wie gebannt Kinder Sendungen im Fernsehen verfolgen, deren computeranimierte Charaktere sich in einer detail- und lieblosen Umgebung entgegen aller physikalischen Gesetze bewegen. Solange den Kindern eine gute Geschichte erzählt wird, ist die Videoqualität also anscheinend zweitrangig.

Umso mehr Wert muss deshalb auf die inhaltliche Qualität gelegt werden. Anders sieht dies bei älterem Publikum aus. Hier kann eine schlechte Videoqualität den Wert des gesamten Inhalts mindern. Insofern ist hier auf eine angemessene Video- oder Animationsqualität zu achten

Meine heutige Frage an Sie:

Bewegtbilder oder Slideshows? Was ist Ihrer Meinung nach die beste Art der Videoanreicherung? Ich freue mich über Ihre Kommentare!