Warum es sich doppelt lohnt, zugunsten von Enhanced E-Books auf Buch-Apps zu verzichten

Viele Verlage stellen sich die Frage nach der idealen Umsetzung angereicherter Inhalte für innovative Buchprodukte. Man hört ja immer wieder, dass Enhanced E-Books gegen die multimedialen und interaktiven Anreicherungsmöglichkeiten von nativen Applikationen (Apps) stets den Kürzeren ziehen. Und bei der Gegenüberstellung der Features und programmiertechnischen Möglichkeiten dieser beiden Alternativen ist man schnell dazu geneigt, sich der App-Entwicklung zuzuwenden. Dabei haben Enhanced E-Books gravierende Vorteile gegenüber Apps, über die es sich nachzudenken lohnt.

Geringere Kosten

Die Produktion einer guten App kostet, selbst wenn man sie in Indien oder auf den Philippinen programmieren lässt, schnell mehrere 10.000 Euro. Die Erstellung eines Enhanced E-Books hingegen ist aufgrund der einfacheren Architektur und der Einbindung von HTML5-Elementen (z.B. einem integrierten Audio- und Videoplayer) im Grunde auch kostengünstig im eigenen Verlag zu leisten, wenn entsprechende Fachkräfte zur Verfügung stehen (dies müssen keine Informatiker sein, es reichen grundlegende HTML-Kenntnisse und ein wenig JavaScript). Und selbst wenn im Verlag das nötige Wissen fehlt, so ist das Outsourcen wesentlich günstiger.

Darüber hinaus ist es wesentlich einfacher, ein bereits auf xHTML-basierendes E-Book nachträglich mit Anreicherungen zu versehen, als die Inhalte in ein völlig neues Softwareprodukt zu überführen, das zudem für die beiden marktführenden Betriebssysteme iOS und Android separat entwickelt werden muss.

Schließlich kommt hinzu, dass auch nach der Erstellung für den Support weitere Kosten anfallen, da eine langfristige Funktionsfähigkeit auch bei Updates von Firmware und Betriebssystemen der Endgeräte gewährleistet werden muss. Dies ist zwar auch bei Enhanced E-Books notwendig, jedoch kann man dies unter Umständen aufgrund der geringeren Komplexität eher noch im eigenen Haus leisten, als sich hier auf einen Softwareentwickler im Ausland verlassen zu müssen, bei dem die oft erschwerte Kommunikationssituation ein ernst zu nehmendes Hindernis darstellt.

Höhere Preise

Eines der größten Probleme von Buch-Apps ist jedoch, dass sie über die App-Stores vertrieben werden müssen. Dies bedeutet, dass sich Buch-Apps nicht nur im direkten qualitativen Vergleich mit anderen Applikationen des jeweiligen Genres (z.B. im Bereich der Unterhaltung mit der Spieleindustrie) behaupten müssen, sondern auch vom Preisniveau der jeweiligen Distributionsplattform abhängig sind. Und hier wird es problematisch.

Denn das Preisniveau in allen Appstores ist derart gering, dass schon ein Preis oberhalb der 7,99€-Marke für eine App von den Nutzern als teuer empfunden wird. Hinzu kommt die große Fülle an kostenlosen Apps mit hohem Funktionsreichtum, die die Preistoleranz vieler Nutzer weiter beeinträchtigt.

Um in diesem stark umkämpften Markt erfolgreich zu sein und die ohnehin hohen Produktionskosten wieder einzuspielen, muss der Absatz also entsprechend hoch sein. Dies ist wiederum nur bei internationalen Bestsellern überhaupt “kalkulierbar”, für alle anderen Buchtitel (oder gar E-First-Produkte) stellt die Appentwicklung ein hohes finanzielles Risiko dar, das nur wenige Verlage eingehen können oder wollen.

Im Gegensatz dazu können Enhanced E-Books über eigens für Buchprodukte bestehende Plattformen wie iBooks oder Libri vertrieben werden. Hier ist einerseits das Preisniveau noch um einiges höher, anderseits erleichtert die bessere Konkurrenzsituation die Auffindbarkeit und letztendlich auch die Rentabilität angereicherter Buchprojekte.

Allein aus finanziellen Gründen sollten Sie daher eine Umsetzung als Enhanced E-Book auf Basis von EPub3 bei der Projektplanung zumindest in Betracht ziehen.

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Ansonsten habe ich wie immer eine Frage für Sie:

Haben wir bereits das Ende des Preisverfalls auf dem digitalen Buchmarkt erreicht?