Vielleicht wundern Sie sich manchmal, wieso sich gute neue Ideen oder Produkte einfach nicht verkaufen wollen. Enhanced E-Books gibt es nun schon seit mehreren Jahren, doch irgendwie mag das ganze Produktkonzept noch nicht so recht funktionieren. Dabei steht sich die  Buchbranche im Grunde genommen selbst im Weg. Warum? Weil zu wenig kommuniziert wird. Innerhalb der Branche, Innerhalb der Verlage, aber insbesondere mit den Lesern mit ihren Ängsten und Erwartungen.

Natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle: Hohe Produktionskosten, Fehlende Offenheit für Neues, aktuelle Diskussionen über gesundheitliche Bedenken, unterschiedliche Formatstandards, Endgeräte(in)kompatibilität, Preise usw. Doch am Anfang stehen diese drei Kommunikationsprobleme.

Enhanced E-Books und die Branche

Die Buchbranche ist ein seltsames und doch spannendes Konstrukt. Es gibt keine andere Branche, in der mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels produzierendes und vertreibendes Gewerbe sowie Großhandel derart in einem Dachverband untergebracht sind wie dort. Die Chancen der spartenübergreifenden Verständigung und Zusammenarbeit sind gewaltig, und anhand der immernoch bestehenden Buchpreisbindung in Deutschland kann man die politische Macht dieser Buchkultur-Lobby in eindrucksvoller Weise erkennen.

Die Digitalisierung von Buchprodukten trieb Anfang der 2000er Jahre einen Keil zwischen die Verlage und den stationären Buchhandel. Mit den E-Books und dem wachsenden Online-Versandhandel gab es plötzlich Buchprodukte, die an der Buchhandlung um die Ecke “vorbeiproduziert” wurden und deren Einbindung in traditionelle Vertriebsmodelle bis zum heutigen Tag problematisch ist. Das sorgt für Konflikte.

Darüber hinaus wurde beim Enhanced E-Book in Sachen Verständigung sehr wenig unternommen. Wie bereits hier angeklungen ist, gibt es allein von der Namensgebung her keine nach außen transportierte Übereinkunft innerhalb der Branche. Auch fehlt eine Standardisierung, insbesondere was die Mindestvoraussetzungen für Anreicherungen betrifft.

Die Verlage und die Distributionsplattformen

Folglich setzen die Verlage mit ihren Pilotprojekten in diesem Bereich ganz eigene Richtlinien fest und legen individuelle Maßstäbe an das Enhanced E-Book an. So kommen qualitativ höchst unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Eigenschaften auf den Markt, die aber die gleiche Bezeichnung tragen. Hinzu kommt, dass diese dann vom Kunden schwer zu finden sind.

Die Auffindbarkeit dieser neuen Buchgattung in den großen Bibliographien des Zwischenbuchhandels, bei den App-Storebetreibern und den Onlineversand-Händlern hat zuletzt aufgrund dieser Probleme bei der Begriffsbestimmung Schaden genommen. Mitte 2014 habe ich per Mail bei Libri angefragt, warum man mit dem Begriff “Enhanced E-Book” (und ähnlichen Varianten) in der Onlinesuche nahezu keine Treffer erzielt, und wieso es keine eigene Suchkategorie für angereicherte E-Books gibt. Die Antwort war, dass bisher derartige Informationen von den Verlagen nicht erhoben worden seien. “Frühestens Anfang 2015” könne man soetwas machen, wurde mir mitgeteilt. Nun habe ich heute wieder nach dem Begriff gesucht und wieder nahezu keine Treffer (53) erzielt. Zusätzlich fehlt eine eigene Unterkategorie in den Suchkonzepten der Distributionsplattformen, um Kunden auf diese relativ neue Produktform aufmerksam zu machen.

Was der Leser nicht kennt…

Und das ist das eigentliche Problem.

Die meisten (auch junge!) Menschen, die man nach angereicherten E-Books fragt, wissen mit dem Begriff nichts anzufangen. Von den Wenigen, die bereits davon gehört haben, scheitern die meisten dann bei der Suche nach geeigneten Enhanced E-Books, weil sie über Amazon und Libri nur vereinzelt fündig werden. Und dann findet man in den Produktbeschreibungen oft nur unzureichende Informationen über die verwendeten Anreicherungsarten ohne jede Chance der Vergleichbarkeit.

All das verunsichert die potentiellen Leser und sorgt dafür, dass sie eine Kaufentscheidung aufschieben oder im schlimmsten Fall verwerfen, was als einzige Zielgruppe die risikofreudigen Early Adopter zurücklässt, deren Zahl aber nicht ausreicht, die Investitionskosten für Verlage zu decken.

… muss ihm bekannt gemacht werden!

Der erste Schritt muss sein, innerhalb der Branche Klarheit über den Begriff und die Kriterien zu schaffen, die das Enhanced E-Book von klassischen E-Books abgrenzen. Hierbei müssen sich die Verlage aktiv miteinander vernetzen und die Problematik aufarbeiten. Der Zwischenbuchhandel und die Distributionsplattformen, auch Apple, Google und Amazon, müssen die Auffindbarkeit angereicherter Buchprodukte verbessern. Durch den Börsenverein besteht hier ein idealer Vermittler, der sich mehr einbringen muss.

Nur dann können die Verlage den Lesern angereicherte Produkte wirksam kommunizieren. Hierbei müssen in erster Linie die Mehrwerte hervorgehoben und die Unsicherheiten abgebaut werden. Lesern müssen alle für die Kaufentscheidung notwendigen Informationen zugänglich gemacht werden. Nur, wenn die Produkte dann auch das halten, was sie versprechen, können Enhanced E-Books die Aufmerksamkeit bekommen, die sie auch verdienen.

Nun meine Frage an Sie:

Wie informieren Sie sich über das aktuelle Angebot an Enhanced E-Books auf dem Markt?